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24.10.2017 Sehnde

Glocke für den Sehnder Friedhof gegossen

Am Freitag, 06. Oktober 2017 wurde im hessischen Sinn nahe Wetzlar bei der Firma Rincker die Glocke für den kommunalen Friedhof in Sehnde gegossen.
Die gegossene Glocke aus Bronze hat ein Gewicht von ca. 300 kg und wird auf den Schlagton cis“ erklingen. Die Vorbereitungen zum Glockenguss dauerten 8 Wochen. Der eigentliche Gießvorgang stand in keinem Verhältnis zu der Zeit der Vorbereitung; dieser benötigte „nur“ gut 20 Minuten. Dann waren alle sieben Glocken, die an diesem Tag zu gießen waren, gegossen. Eine kurze Zeit, aber ereignisreich, wenn man bedenkt, dass eine Glocke mehrere hundert Jahre alt wird – eine Ewigkeit.

Eine Tradition beim Gießen einer Glocke ist, dass die Kirchengemeinde zu diesem Anlass eingeladen wird. Somit konnten 30 Personen in Vertretung der Kirchengemeinde Sehnde Zeuge eines Vorganges werden, welcher als einmalig bezeichnet werden darf. Die letzte Glocke, die für die ev.-luth. Kirchengemeinde Sehnde gegossen wurde, stammt aus dem Jahr 1827 und hängt neben der großen Glocke aus dem Jahr 1653 im Kirchturm der Kirche zum Heiligen Kreuz in Sehnde.
Mit Spannung erwarteten die Sehnderinnen und Sehnder, die sich um die sogenannte Glockengrube versammelt haben, den Moment, indem die heiße Bronze aus dem Schmelzofen durch die gebauten Kanäle hin zur Form der Glocke fließen sollte.

Alle Besucher wurden von Herrn Rincker, der in der 13. Generation mit seinem Bruder das Unternehmen führt, vorab instruiert. Während eines Gießvorganges muss absolute Stille herrschen. Die Männer können anhand der Geräusche in der Glockenform viel herleiten. Damit wird sicher gestellt, dass der Glockenguss erfolgreich abgeschlossen wird und eine einwandfreie Glocke Tage später empor gehoben werden kann.

Zunächst wurde Kupfer im Schmelzofen auf 1.100° C erhitzt. Das Erhitzen des Metalls ist ein schweißtreibender Vorgang, der durch das laute Getöse des Schmelzofens begleitet wird. Witterungsbedingt erwies sich dieser Vorgang als schwierig. Die Temperatur wurde durch verschiedene Messinstrumente kontrolliert. Zum Schluss kam das Zinn in den Schmelzofen. Zinn hat eine viel geringere Schmelztemperatur als Kupfer und wird daher erst kurz vor dem Guss hinzugefügt. Damit war die sogenannte Glockenspeise fertig und sodann konnte gegossen werden.

Die Arbeiter überwachen den Giessvorgang an der Öffnung der Glockenform (Foto: Karla Schmidt)

Die Arbeiter überwachen den Giessvorgang an der Öffnung der Glockenform

Zur Tradition des Gussvorganges gehört ebenso, dass eine kurze Andacht durch eine geistliche Person gehalten wird. Die Pastorin einer ebenfalls anwesenden Kirchengemeinde hielt diese sehr einfühlsam und schloss mit einem Bittgebet. Dann kam der Befehl zum Guss der Glocke mit den Worten „In Gottes Namen“. Nach gut einer Stunde der Verzögerung und des Wartens war es soweit: Die heiße Bronze floss zu seinem Bestimmungsort. Zunächst wurde die Sehnder Glocke gegossen, dann folgten die sechs weiteren Glocken. Mit Spannung wurde von den rund 100 Personen die Arbeit der Männer, die sich mit Helm und Visier sowie schwerer Kleidung vor der Hitze schützen mussten, beobachtet und es war „toten“ Stille, die nur unterbrochen wurde durch die Kommandos des Meisters. Es war nur das kochende Metall zu hören und das aus den Öffnungen im Boden fackelnde Feuer.

Nachdem die letzte Glocke gegossen war, wurde ein Dankgebet gesprochen und mit dem Vater Unser abgeschlossen. Alle stimmten gemeinsam in das Lied „Großer Gott wir loben Dich“ ein. Somit endete der ereignisreiche Akt und Herr Rincker rekonstruierte nochmal die einzelnen Schritte bis zum Guss. Nun konnten Fragen gestellt, die gerne und mit viel Liebe zum Detail beantwortet wurden.

Die Sehnder Glocke im Rohgusszustand (Foto: Holger Schmidt / Fa. Rincker)

Die Sehnder Glocke im Rohgusszustand

Die Glocken mussten mehrere Tage in der Glockengrube verweilen und abkühlen. Dann wurden sie wieder ausgegraben und von ihren Formen befreit. Bis unsere Glocke Sehnde erreicht, wird es noch einige Tage dauern. Die Glocke muss zunächst geputzt werden und der Glockensachverständige des Landeskirche Hannover wird den Klang und Beschaffenheit überprüfen.

(Pressemitteilung Holger Söchtig / Ev.-luth. Kirchengemeinde Sehnde, 24.10.2017)


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