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19.12.2013 Region

Duale Ausbildung stärken: Berufsschulkonzept 2020 der Region Hannover vorgestellt

Region

Fortschreibung des Berufsschulkonzepts gemeinsam mit Schulen und Wirtschaft
Region Hannover legt Zielkonzept 2020 für Berufsbildende Schulen vor

Hannover. Starke Kompetenzzentren, fachbezogene Bündelung von Ausbildungsgängen: Nach diesem Prinzip hat die Region Hannover von 2002 bis 2004 die Berufsbildenden Schulen (BBSn) neu geordnet. Nun wird das Konzept fortgeschrieben, um die Bildungswege noch stärker zu verzahnen und die Angebotsstruktur an den künftigen Bedarfen zu orientieren.
Ein mit den BBS-Schulleitern, der Industrie –und Handelskammer sowie der Handwerkskammer gemeinsam entworfener Beschlussvorschlag wurde am Donnerstag (19.12.2013) im Haus der Region vorgestellt.

„Demografischer Wandel und Inklusion stellen auch das berufsbildende Schulwesen vor neue Herausforderungen“, sagte Regionspräsident Hauke Jagau. „Einerseits müssen wir die Kapazitäten der BBSn an die sinkende Schülerzahl anpassen, andererseits wollen wir alle, auch benachteiligte Jugendliche so gut wie möglich auf den Berufseinstieg vorbereiten. Indem wir die Bildungsangebote noch stärker bündeln, tragen wir diesen Entwicklungen Rechnung, ohne die hohe Ausbildungsqualität der BBSn zu mindern oder an unserem Prinzip der wohnortnahen Versorgung zu rütteln.“

Wesentliche Eckpunkte des so genannten Zielkonzepts 2020: Die inhaltlich ähnlichen Ausbildungsgänge im Bereich Fahrzeugtechnik an der BBS Burgdorf und der BBS 6 sollen am Berliner Ring in Burgdorf zusammengefasst werden. Flexibel einsetzbare Fachpraxisräume sowie modern ausgestattete und ebenerdige Werkstätten schaffen dafür beste Voraussetzungen. Gleichzeitig wird die Berufseinstiegsschule der BBS 6 an andere hannoversche Kompetenzzentren verlagert. In der Folge kann die Schule am Goetheplatz im Sommer 2016 aufgehoben werden.

In das Gebäude der BBS 6 soll 2017 die hannoversche Hannah-Arendt-Schule mit dem Schwerpunkt Wirtschaft, Recht und Verwaltung einziehen. Damit macht sie Platz für die nebenan gelegene BBS 3, deren Gebäude abgerissen wird. Der Vorschlag sieht vor, an die Stelle der Schule für Berufe am Bau mitten im Berufsschulzentrum am Waterlooplatz ab 2017/18 eine neue Mehrzweckhalle zu errichten. Durch die Verlagerung in die jetzige Hannah-Arendt-Schule bleibt die BBS 3 weiterhin räumlich eng mit der BBS me verbunden, mit der sie in mehreren Bereichen kooperiert.

Die Stellung der Alice-Salomon-Schule als regionsweites Kompetenzzentrum für Gesundheit und Soziales soll weiter gestärkt werden. Dazu werden in der Zweigstelle Hannover-Herrenhausen die Ausbildungsgänge für medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte gebündelt, die zurzeit auch noch in Neustadt und Burgdorf angeboten werden. Außerdem ist vorgesehen, eine neue dreijährige Berufsfachschule Ergotherapie an der Alice-Salomon-Schule zu etablieren.

Das Zielkonzept 2020 sieht außerdem vor, den Ausbildungsgang zum Steuerfachangestellten von der Hannah-Arendt-Schule an die BBS Springe zu übertragen. Schließlich wird daran festgehalten, die Außenstelle der BBS Neustadt in Wunstorf zum Ende des Schuljahrs 2016/17 aufzugeben. Die drei Hauptstandorte der Berufsbildenden Schulen außerhalb Hannovers in Burgdorf, Neustadt und Springe sollen langfristig gesichert werden.

Neben der Bündelung der Angebote und der damit verbundenen räumlichen Veränderungen zielt das Zukunftskonzept für die Berufsbildenden Schulen aber auch auf eine verbesserte Durchlässigkeit zwischen den Bildungsgängen ab. „Weltweit werden um unser deutsches duales Ausbildungssystem beneidet“, sagte Schul- und Wirtschaftsdezernent Ulf-Birger Franz von der Region Hannover. „Mit dem Zukunftskonzept verfolgen wir deshalb auch das Ziel, die Teil- und Vollzeitschulformen stärker zu mischen, damit mehr Schülerinnen und Schüler als bisher aus den berufsvorbereitenden Angeboten in eine duale Berufsausbildung wechseln oder auch höherwertige Abschlüsse erreichen können.“

„Mit dem neuen Berufsschulkonzept wird die duale Ausbildung in der Region Hannover zukunftsfest verankert“, sagte Dr. Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der IHK Hannover. „Durch die Bündelung von Kompetenzen an jeweils einem Berufsschulstandort in der Region ist eine qualitative Aufwertung der dualen Ausbildung insgesamt möglich. Dies hilft uns, die Attraktivität einer beruflichen Ausbildung weiter zu steigern.“

„Wir finden es ausgesprochen positiv, dass die Wirtschaft in die Weiterentwicklung des Berufsschulkonzepts der Region Hannover frühzeitig einbezogen wurde, und sind der Meinung, dass jetzt gute Lösungen auf dem Tisch liegen, um das berufliche Schulwesen demografiefest zu machen“, erklärte Dipl.-Kfm. Jans-Paul Ernsting, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, bei der Vorstellung der Zielvereinbarung. „Die Bündelung von Ressourcen, wie sie insbesondere auch durch die Zusammenfassung des Bereichs Fahrzeugtechnik an der BBS Burgdorf deutlich wird, halten wir für den richtigen Weg. Zwei Wünsche bleiben allerdings noch offen: Zum einen müssen längere Schulwege durch optimierte Verbindungen beim ÖPNV ausgeglichen werden. Zum anderen muss das Konzept in der Weise konsequent umgesetzt werden, dass Schulabgängerinnen und Schulabgänger nicht erst im vollzeitschulischen Übergangssystem landen, sondern direkt in einer dualen Ausbildung.“

Die inhaltliche Basis für das Zielkonzept 2020 wurde seit Sommer 2013 von einer Arbeitsgruppe erstellt, die sich aus Vertretern der Region Hannover, der IHK und HWK und der Berufsbildenden Schulen zusammensetzt. Die Vorlage wird am 21. Januar 2014 zunächst im Ausschuss für Schulen, Kultur und Sport behandelt, bevor sie am 11. März der Regionsversammlung zum Beschluss vorgelegt wird,

An den 15 Berufsbildenden Schulen der Region Hannover wurden im Schuljahr 2012/13 insgesamt 37.612 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, davon 28.058 in Teilzeit und 9.554 in Vollzeit. Die Prognose für die Jahr 2020 geht davon aus, dass die Gesamtschülerzahl auf unter 35.000 Schülerinnen und Schüler sinkt (Teilzeit: rund 26.000, Vollzeit knapp 9.000). Analog dazu sinkt auch der Bedarf an Unterrichtsräumen an den Schulen.

Die zukünftige Struktur der Berufsbildenden Schulen der Region Hannover im Einzelnen:

BBS 2

Die BBS 2 als Kompetenzzentrum für den Bereich Gastronomie und Ernährung führt das vorhandene Bildungsspektrum weiter. Von der BBS 6 wird die Berufseinstiegsschule im Bereich Lebensmittelhandwerk/Gastronomie übernommen. Weitere Veränderungen sind an dieser Schule nicht geplant.

BBS 3

Die Stellung der BBS 3 als regionales Kompetenzzentrum für die bautechnischen Berufe bleibt erhalten. Die an der BBS 3 vorhandene Berufseinstiegsschule mit den Fachrichtungen Bau und Holz wird ergänzt und um den Bereich Farbtechnik und Raumgestaltung sowie die Werkstatt für Behinderte erweitert. Damit wird einerseits ein Beitrag zur besseren Integration dieser Schülerinnen und Schüler geleistet, die oft große Lernschwierigkeiten aufweisen, zum anderen wird den Zielsetzungen des Berufsbildungsgesetzes Rechnung getragen, das Berufsvorbereitungsmaßnahmen und Berufsausbildung stärker vernetzen will.

BBS für Metall- und Elektrotechnik/Otto-Brenner-Schule

Das Profil der BBS wird um die Berufseinstiegsschule im Bereich Metall- und Elektrotechnik sowie die Werkstatt für Behinderte erweitert. Neben den metalltechnischen Berufen wie Werkzeugmechaniker, Maschinenbau- und Konstruktionsmechaniker werden passende elektrotechnische Berufe fortgeführt wie die Elektroniker für Maschinen- und Antriebstechnik, für Gebäude- und Infrastruktursysteme. Auf diese Weise wird die BBS ME zu einem Zentrum für Fertigungstechnik und Infrastruktursysteme, das in Teilbereichen gut mit der BBS 3 (BBS für Berufe am Bau) kooperieren kann. Das im Aufbau befindliche Produktionstechnische Zentrum wird weiter ausgebaut.

BBS 6

Die Schule soll aufgehoben werden, möglichst zum 31.07.2016. Das Gebäude wird durch die Hannah-Arendt-Schule und als Außenstelle der BBS Handel nachgenutzt. Der Bereich Fahrzeugtechnik wird an die BBS Burgdorf angegliedert, während die schulischen Einstiegsangebote den jeweiligen Berufsbilden Schulen in Hannover zuzuordnen sind. Damit wird auch dem Ziel einer Verzahnung von Berufsvorbereitung, Berufsausbildung im dualen System und von Bildungsgängen, die dem Erreichen höherwertiger Abschlüsse dienen, unter schulfachlichen Aspekten Rechnung getragen.

BBS 7 / Anna-Siemsen-Schule

Die Schwerpunkte der BBS 7 Textiltechnik, Hauswirtschaft, Sozialwesen und Berufsvorbereitung bleiben vom Grundsatz her unverändert.

Hannah-Arendt-Schule

Der Schwerpunkt der Hannah-Arendt-Schule mit Bildungsgängen in den Bereichen Recht und Verwaltung wird grundsätzlich beibehalten. Die Sozialversicherungsfachangestellten von der BBS 11 und einige Vollzeitbildungsgänge komplettieren das Spektrum. Im Gegenzug werden die Steuerfachangestellten an die BBS Springe verlagert. Mit dem Umzug der Hannah-Arendt-Schule in das Gebäude Goetheplatz entsteht ein kaufmännisches Zentrum, das zusammen mit den BBSn 11 und Handel räumliche Optionen im Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung bietet.

BBS 11

Mit der Bündelung von drei großen kaufmännischen Bildungsgängen an der BBS 11, den Industrie-, Bank- und Versicherungskaufleuten, können differenzierte Unterrichtsmodelle, die sich an den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler sowie der Ausbildungsbetriebe orientieren, angeboten werden (z. B. verkürzte Bildungsgänge von zwei und zweieinhalb Jahren, Blockbeschulung usw.). Soweit zusätzliche Raumkapazitäten erforderlich sind, können entsprechende Schulräume im Gebäude Goetheplatz zur Verfügung gestellt werden.

BBS Handel

Der Schwerpunkt der BBS Handel soll beibehalten werden. Diese Schule ist gegenwärtig so stark nachgefragt, dass der Unterricht nur im Schichtbetrieb erfolgen kann. Zur räumlichen Entlastung wird daher im Gebäude Goetheplatz eine Zweigstelle eingerichtet.

BBS 14

Der Schwerpunkt der BBS 14 als Kompetenzzentrum für Büro- und Freizeitberufe wird weiter entwickelt.

Alice-Salomon-Schule

Die Alice-Salomon-Schule als Kompetenzzentrum für Gesundheit und Soziales wird in diesen Bereichen ausgebaut, indem medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte innerhalb der Region an dieser Schule gebündelt und zukünftig am Standort Herrenhäuser Straße unterrichtet werden. Im Weiteren ist die Einrichtung einer dreijährigen BFS Ergotherapie beabsichtigt.

Multi-Media-BBS

Die Multi-Media-BBS ist als Schwerpunktschule für die Informations- und Medientechnik incl. der kaufmännischen Fachrichtungen (z.B. Kaufleute für AV-Medien, Informatikkaufleute) konzipiert worden. Dieser Schwerpunkt wird fortgeführt unter Bündelung der IT-Systemelektroniker bei gleichzeitiger Abgabe der Informationselektroniker an die BBS Neustadt.

Justus-von-Liebig-Schule

Die Bildungsstruktur der Schule mit ihren agrarwirtschaftlichen Bildungsgängen und den Bereichen Naturwissenschaften und Umweltberufe wird um ein zusätzliches Angebot für rund 60 Jugendliche ohne oder mit schwachem Schulabschluss ergänzt, die bislang an der BBS 6 versorgt wurden.

BBS Burgdorf

Die BBS Burgdorf wird im Sinne einer wohnortnahen Beschulung neben den vielfältigen Fachrichtungen der Berufseinstiegsschule auch die Fachstufenausbildung für Friseure und Tischler beibehalten. Der Schwerpunkt der BBS Burgdorf im Bereich der Mobilitätswirtschaft wird durch die Zusammenführung mit den Schülergruppen aus der BBS 6 gestärkt. Der Ausstattungsbedarf für technisches Equipment bleibt weiterhin sehr hoch und rechtfertigt die Bündelung an einem Standort. Die Erweiterungsmöglichkeiten für Fachräume, die unmittelbare Nähe von Theorie- und Praxisräumen, die Bündelung des Fachpersonals sowie die Nähe zu anderen weiterqualifizierenden Schulformen wie der Fachoberschule Technik, dem beruflichen Gymnasium Technik und der Fachschule Kfz-Mechatronik werden als positiv angesehen.

BBS Neustadt a. Rbge.

Die Schwerpunktbildung in den BBSn Neustadt wird weiter verfolgt. Im Bereich der Elektro- und Metalltechnik wird das Angebot durch die Informationselektroniker gestärkt. Durch die Aufgabe der Zweigstelle Wunstorf und Konzentration der Bildungsangebote auf den Standort Neustadt wird die Schulorganisation erheblich erleichtert. Ebenso können die Raum- und Ausstattungsressourcen besser ausgenutzt werden.

BBS Springe

Mit der Verlagerung der Steuerfachangestellten erfolgt eine Ausgestaltung des Berufsfeldes Wirtschaft und Verwaltung in der Weise, dass neben den dualen Ausbildungsgängen auch berufsvorbereitende und weiterführende Bildungsgänge, wie das berufliche Gymnasium Wirtschaft, gestützt und ergänzt werden. Im Weiteren sind Kooperationen zwischen der BBS und der Steuerfachschule in freier Trägerschaft in Springe möglich.

(Pressemitteilung Region Hannover, 19.12.2013)

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