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31.07.2013 Gehrden, Region

Forschungsprojekt Burgberg

Region

Wissenschaftler untersuchen die Wallanlage auf dem Gehrdener Berg – Entstehungszeit weiter unklar
Hannover/Gehrden. Wie alt ist die Wallanlage auf dem Gehrdener Burgberg? Wurde die Befestigung tatsächlich vom Germanen-Stamm der Cherusker in der Zeit um Christi Geburt errichtet, wie die Ergebnisse erster Grabungen in den 1930er Jahren der herrschenden Ideologie entsprechend gedeutet wurden? Nachdem bereits im Frühjahr dieses Jahres im Rahmen eines Kooperationsprojektes des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover, des Instituts für Prähistorische Archäologie der Freien Universität Berlin und der Unteren Denkmalschutzbehörde der Region Hannover das ein Hektar große Areal der „Cheruskerburg“ systematisch prospektiert worden war, sind nun erneut Studierende der FU Berlin unter der Leitung von Dr. Daniel Peters auf dem Burgberg tätig. Während einer dreiwöchigen „Lehrgrabung“ ist ein zwei Meter breiter Suchschnitt durch Wall und vorgelagertem Graben angelegt worden, um Erkenntnisse über die Konstruktion und die Entstehungszeit zu gewinnen.

Erste Ergebnisse haben die Projektpartner jetzt vorgestellt: Die Erbauer der Wallanlage machten sich eine natürliche Geländekante auf dem Berg zu Nutze, an deren Fuß ein Graben in den anstehenden Fels geschlagen wurde. Mit dem „Grabenaushub“ wurde dann hangaufwärts ein mit einer Höhe von nur rund 1,2 Meter über den anstehenden Boden vergleichsweise niedriger Wall aufgeschüttet. Aber: Aufgrund der Geländekante wirkt die Befestigung imposanter. Der Höhenunterschied zwischen Wallkrone und Grabensohle liegt bei bis zu über 5 Metern.

Schild Archäologische Grabung

Hinweise auf eine Steinmauer im Wall, wie angeblich 1937/38 beobachtet, konnten die Archäologen nicht feststellen; ihre Existenz wird daher - auch aufgrund der per se sehr steinreichen Wallaufschüttung - kritisch bewertet.

Verdichtet haben sich hingegen die Hinweise, dass der Befestigungsring nicht in einer Bauperiode, sondern in zwei unterschiedlichen Phasen errichtet worden ist. „Auf einer dunkleren, deutlich stärker durchwurzelten und auch mächtigeren Wallaufschüttung liegt eine hellere Schicht auf“, erläutert Grabungsleiter Dr. Peters: „Leider konnte aus dem Wall bislang kein datierbares Material geborgen werden.“ Dafür wurde aus der oberen Grabenverfüllung ein Stück einer Flintklinge aus der Jungsteinzeit oder Frühbronzezeit geborgen. Für Regionsarchäologin Ute Bartelt keine Überraschung: „Das Fragment belegt, dass der Burgberg zu dieser Zeit begangen worden ist. Ähnlich datierende Funde wurden bereits in den 1930er Jahren gemacht.“

Garbung Burgberg Gehrden: Wallschnitt

Garbung Burgberg Gehrden: Wallschnitt

Zuletzt waren 1937 und 1938 Archäologen auf der nördlichen Kuppe des Gehrdener Berges und der Leitung von Karl Hermann Jacob-Friesen, damals Direktor des hannoverschen Provinzialmuseums (heute: Niedersächsisches Landesmuseum), tätig. Teile der Grabungsdokumentation sind heute jedoch verschollen. Ziel der Grabungen war es seinerzeit, Wallaufbau und Tordurchlässe zu klären sowie die Anlage zu datieren. Der den Burgberg umgebene Graben konnte als in den Fels gehauener Spitzgraben identifiziert werden, auch zwei Tordurchlässe wurden zweifelsfrei festgestellt.

Dr. Daniel Peters am Burgberg bei Gehrden

Dr. Daniel Peters am Burgberg bei Gehrden

Dem Tenor der Zeit folgend wurden einige wenige Funde im Umfeld der Befestigung, die in die Zeit um Christi Geburt datieren, dazu genutzt, die Wallanlage als „Cheruskerburg“ und somit als germanische Burg zu deuten. 1938 wurde vom Reichsarbeitsdienst auf dem Burgberg ein „Cheruskerlehrpfad” eingerichtet, von dem heute noch Steintafeln auf dem Gehrdener Berg zeugen. „Es gibt erhebliche Zweifel an dieser Deutung“, fasst Dr. Babette Ludowici vom Niedersächsischen Landesmuseum Hannover, das die Untersuchungen maßgeblich finanziert, die Gründe für die Wiederaufnahme der Forschungen zusammen. „Tatsächlich stellen die wenigen gemachten Funde, die von der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter streuen und zudem nicht stratifiziert sind, keine zuverlässige Datierungsgrundlage dar. Darüber hinaus muss aufgrund der exponierten Lage an einem überregional wichtigen Verkehrsweg ohnehin mit mehreren Nutzungsphasen gerechnet werden.“

Die Wallanlage umschließt die nördliche Kuppe des Gehrdener Berges halbkreisförmig. Durch Eingriffe in jüngerer Zeit ist sie stellenweise zerstört. Inmitten der Wallanlage stehen heute die Ruinen des 1887 erbauten Aus­sichtsturms und eines 1899 er­öffneten Ausflugslokals, welches von 1924 bis 1961 der Leibniz­schule Hannover als Landschul­heim diente bzw. während des 2. Weltkriegs als Lazarett genutzt wurde.

(Pressemitteilung Region Hannover, 31.07.2013)

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  • Artikel veröffentlicht am 31.07.2013
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