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08.03.2013 Gehrden, Region

Wissenschaftler untersuchen die Wallanlage auf dem Gehrdener Berg

Forschungsprojekt Burgberg
Hannover/Gehrden. Zuletzt waren in den 1930er Jahren Archäologen auf der nördlichen Kuppe des Gehrdener Berges tätig. Jetzt steht der Burgberg erneut im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses. Im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsprojekts des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover, des Instituts für Prähistorische Archäologie der Freien Universität Berlin und der Unteren Denkmalschutzbehörde der Region Hannover wird die markante Wallanlage zurzeit mit modernen Methoden erforscht.

Unter fachlicher Anleitung von Dr. Daniel Peters sondieren zurzeit Studenten der FU Berlin das ein Hektar große Areal der Cheruskerburg neu und entnehmen auch in ihrem Umfeld systematisch Bodenproben. Die Prospektion ist als Lehrgrabung konzipiert, das heißt sie dient somit auch der Ausbildung der Studenten, die unterschiedliche Tätigkeiten wie die Vermessung von Befunden, die Einmessung von Objekten oder die Interpretation von Bohrprofilen lernen sollen, erläutert Dr. Peters das Vorgehen. Erste Ergebnisse liegen vor: Die Bodenproben aus dem Wallbereich bestätigen die Vermutungen, die vor gut 80 Jahren Karl Hermann Jacob-Friesen, damals Direktor des hannoverschen Provinzialmuseums (heute: Niedersächsisches Landesmuseum), angestellt hatte: Demnach ist der Befestigungsring nicht in einer Bauperiode, sondern in zwei unterschiedlichen Phasen errichtet worden. Die aktuellen Bodenproben werden nun in den nächsten Monaten in Kooperation mit dem Institut für Geographische Wissenschaften der FU Berlin analysiert und interpretiert.

Dr. Babette Ludowici vom Niedersächsischen Landesmuseum Hannover, das die Untersuchungen maßgeblich finanziert, bewertet die Wiederaufnahme der Forschungen auf dem Gehrdener Burgberg denn auch als wichtig für die Landesgeschichte.

Erste Ausgrabungen hatte 1931, 1933 und zuletzt 1937/38 (Dokumentation verschollen) der Landesarchäologe Jacob-Friesen – seit August 1933 Mitglied des Kampfbundes für deutsche Kultur und der NSDAP – veranlasst. Ziel der Grabungen war es seinerzeit, Wallaufbau und Tordurchlässe zu klären sowie die Anlage zu datieren. Der die Burg umgebene Graben konnte als in den Fels gehauener Spitzgraben identifiziert werden, auch zwei Tordurchlässe wurden zweifelsfrei festgestellt.

Dem Tenor der Zeit folgend wurden einige Funde im Umfeld der Wallanlage, die in die Zeit um Christi Geburt datieren, dazu genutzt, die Wallanlage als „Cheruskerburg“ und somit als germanische Burg zu deuten. 1938 wurde vom Reichsarbeitsdienst auf dem Burgberg ein „Cheruskerlehrpfad“ eingerichtet, von dem heute noch Steintafeln auf dem Gehrdener Berg zeugen. In den vergangenen Jahrzehnten sind immer größere Zweifel an dieser Datierung der Wallanlage aufgekommen, berichtet FU-Archäologe Peters: Tatsächlich bieten die wenigen gemachten Funde, die von der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter streuen und nicht stratifiziert sind, keine zuverlässige Datierungsgrundlage. Zudem muss aufgrund der exponierten Lage der Burg ohnehin mit mehreren Nutzungsphasen gerechnet werden.

Der Graben der Befestigungsanlage umschließt die Kuppe des Gehrdener Berg halbkreisförmig. Durch Eingriffe in jüngerer Zeit ist ihr Wall stellenweise zerstört. 1887/98 wurde mitten in dem Areal ein Aussichtsturm errichtet, 1899 ein Ausflugslokal. Von 1924 bis 1961 diente das Gebäude der Leibnizschule Hannover als Landschulheim, während des 2. Weltkriegs wurde es als Lazarett genutzt.

Regionsarchäologin Ute Bartelt freut sich über die vielfältige Unterstützung, die das gemeinsame Forschungsprojekt in Gehrden erfährt: Die Menschen interessieren sich für die Geschichte ihrer Heimat, auch wenn dabei ein liebgewonnener Mythos auf der Strecke bleibt.

Pressemitteilung 08.03.2013, Region Hannover

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