Die Kritik an der Gestaltung des Mahnmals bleibt bestehen
Trotz Bemühungen der Stadt Burgwedel
Am 03.11.2009 fand auf Einladung des Burgwedeler Bürgermeisters Dr. Hoppenstedt ein Gespräch im Burgwedeler Rathaus mit dem Vorstand der Deutsch-Israelischen Gesellschaft statt. In dem konstruktiven Gespräch wurde deutlich, dass sich der Burgwedeler Bürgermeister und seine Verwaltung in einem längeren Prozess um einen angemessenen Umgang mit den Geschehnissen in ihrer Stadt während der NS-Zeit und bei der Beurteilung der Verstrickung von Burgwedeler Kriegstoten bemüht haben. Dies Burgwedeler Bemühen ist kein „rückwärtsgewandter Spuk“, dennoch sind seine Ergebnisse, wie sie nun verbindlich durch den Großburgwedeler Ortsrat beschlossen wurden, äußerst unbefriedigend:
- Unter den Militärangehörigen befinden sich weiterhin die Namen von 5 SS-Angehörigen. Die SS/Waffen SS wurde vom Nürnberger Kriegsverbrechertribunal als „verbrecherische Organisation“ eingestuft. Nach Auffassung der DIG ist es nicht angemessen, Mitglieder dieser Organisation in ein lokales Gedenken aufzunehmen, von denen nicht positiv bewiesen werden kann, dass sie an den Verbrechen ihrer Organisation nicht beteiligt waren. Dies gilt umso mehr, wenn bekannt ist, dass die konkreten Einheiten der Betroffenen an Kriegsverbrechen beteiligt waren.
- Die wegen ihrer Zugehörigkeit zur Minderheit der Sinti in Auschwitz ermordeten Kinder, die monatelang in Großburgwedel zwangsuntergebracht waren von dem Gedenken auszuschließen, ist engherzig und wird dem Anspruch des mahnenden Erinnerns nicht gerecht.
- Die Weigerung, die beiden über Großburgwedel abgeschossenen britischen Piloten als mit Burgwedel verbundene Kriegstote zu erwähnen, verschenkt die Möglichkeit den Respekt vor den Kriegstoten der Alliierten, die unter Opfer ihres Lebens Deutschland und Europa von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft befreit haben, zu dokumentieren.
- Da auf der Tafel der zivilen Opfer keine erklärenden Zwischenüberschriften eingefügt wurden, bleibt unklar, um welche Opfergruppen es sich handelt, insbesondere, dass es sich teilweise um Mordopfer handelt. Insgesamt hätte neben der Widmung für die Kriegstoten und Opfer eine der Zukunft zugewandte Aussage zu Humanität und Versöhnung der Aufgabe einem Mahnmals entsprochen.
Einig waren sich die Gesprächspartner, dass die Bitte der jüdischen Gemeinden in dieser Gesellschaft – die aufzunehmenden Namen sind durch Ortsratsbeschluss festgelegt worden – keine jüdischen Namen zu nennen, akzeptiert werden muss. Es sollte jedoch darüber nachgedacht werden, ob dies zukünftig in anderer Form geschehen kann.
Es wurde weiter darüber gesprochen, eine Broschüre zu erstellen, in der die Inhalte des Mahnmals, die sich dem Außenstehenden nicht aus der Anlage selbst erschließen, erläutert werden sollen.
Kay Schweigmann-Greve
Pressemitteilung 05.11.2009, Deutsch-Israelische Gesellschaft - Arbeitsgruppe Hannover
Wiesenthal Center fordert Verzicht auf Ehrung für SS- und Polizeiangehörige in Burgwedel
Jerusalem. Das Simon Wiesenthal Center hat heute die Stadt Burgwedel dazu aufgefordert, auf eine geplante Ehrung für im Krieg umgekommene SS-Angehörige zu verzichten. Im Ortsteil Großburgwedel soll am 15. November ein „Mahnmal für die Opfer von Krieg und nationalsozialistischer Gewaltherrschaft von 1933 – 1945“ errichtet werden. Auf dem Mahnmal sollen auch sechs Namen von SS- und Polizeiangehörigen genannt werden. Gleichzeitig werden NS-Opfer geehrt, zum Beispiel getötete Säuglinge ausländischer Zwangsarbeiter.
„Eine solche Ehrung verunglimpft NS-Opfer“, so der Leiter des Wiesenthal Centers in Jerusalem, Dr. Efraim Zuroff. Hier werden mutmaßliche Täter und Opfer vermischt. „Es ist kein Wunder, dass die jüdische Gemeinde ihre ermordeten Angehörigen nicht mit SS-Männern auf einem Mahnmal haben möchte“, sagte Zuroff.
Dr. Efraim Zuroff: „Die Waffen-SS ist eine verbrecherische Organisation. Es verbietet sich normalerweise von selbst, ihre Mitglieder namentlich zu ehren, vor allem wenn deren Einheiten an Kriegsverbrechen beteiligt waren. Angehörige der Waffen-SS haben Konzentrationslager bewacht und Massenerschießungen durchgeführt. Wir fordern die Stadt Burgwedel daher dringend dazu auf, das geplante Mahnmal zu überdenken.“
Simon Wiesenthal Center
Israel Office,
1 Mendele Street,
Jerusalem 92147, Israel
Homepage
Pressemitteilung 02.11.2009, Simon Wiesenthal Center Dr. Efraim Zuroff, Director



