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19.12.2008 Hannover, Region

Veranstaltungsreihe der Gedenkstätte Ahlem

Region

Vortrag und Diskussion mit Harald Welzer: Die Deutschen und ihr „Drittes Reich“
Hannover – Wie gingen die Deutschen nach dem abrupten Ende des „Tausendjährigen Reiches“ mit ihrem Wissen um das „öffentliche Geheimnis“ des Holocausts um, wie gestalteten sie Entlastungs- und Rechtfertigungsstrategien, und was bedeutete dies für den Nachkriegsdialog zwischen den Generationen? Diesen Fragen geht der Sozialpsychologe Prof. Dr. Harald Welzer in seinem Vortrag „Die Deutschen und ihr Drittes Reich“ nach.

Die Veranstaltung auf Einladung der Gedenkstätte Ahlem findet statt am:
Donnerstag, 12. Februar 2009, 19.00 Uhr, Haus der Region Hannover, „Galerie“, Eingang: Hildesheimer Str. 18, Eintritt frei.

Aus heutiger Sicht erscheint die Wirklichkeit des „Dritten Reiches“ als Unrechts- und Willkürherrschaft, unter der Perspektive des Holocaust als Zivilisationsbruch per se. Doch Interviews mit Angehörigen der „Erlebnisgeneration“ zeigen nachträglich die massenhafte Zustimmung zum Regime, zeugen von Aufbruchsgefühl und der ungeheuren Freisetzung individueller und kollektiver Energien – vorausgesetzt, man genügte den rassischen und politischen Kriterien der „Volksgemeinschaft“. Der Ausschluss, die Verfolgung und materielle Ausplünderung des jüdischen Bevölkerungsteils bis hin zur Deportation vollzog sich öffentlich und hat die Zustimmungsbereitschaft der nichtjüdischen Deutschen zum Nationalsozialismus nicht behindert, sondern eher gefördert.

Im Unterschied dazu erscheint das Wissen um die Massentötungen und Vernichtungsaktionen ab dem Jahre 1941 als „öffentliches Geheimnis“, gespeist aus Feldpostbriefen, Augenzeugenberichten von Fronturlaubern, Gerüchten und nicht zuletzt absichtsvollen Andeutungen in Artikeln und Reden der Führungseliten.

Aktuelle Untersuchungen gehen davon aus, dass etwa ein Drittel bis zur Hälfte der Erwachsenengeneration vor Kriegsende sich ein – mehr oder weniger genaues – Bild von der „Endlösung der Judenfrage“ machte.

Prof. Dr. Harald Welzer ist Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen und Forschungsprofessor für Sozialpsychologie an der Universität Witten-Herdecke. Er lebt in Hannover.

Auswahl von Publikationen:

  • Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird. Frankfurt am Main 2008.
  • Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden. Frankfurt am Main 2005.
  • Herausgeber: Der Krieg der Erinnerung. Holocaust, Kollaboration und Widerstand im europäischen Gedächtnis. Frankfurt am Main 2007.
  • “Opa war kein Nazi!” Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis. Frankfurt am Main 2002. (Mit Moller, Sabine; Tschuggnall, Karoline).
  • Verweilen beim Grauen. Essays zum wissenschaftlichen Umgang mit dem Holocaust. Tübingen 1997.

Pressemitteilung 19.12.2008, Region Hannover

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  • Artikel veröffentlicht am 19.12.2008
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